Dekanat Rüsselsheim

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        Interreligiöses Gespräch in der Groß-Gerauer Stadtkirche

        Dialog als Bereicherung

        Heidi Förster

        Im Ev. Gemeindehaus der Stadtkirchengemeinde Groß-Gerau tauschten sich Vertreter*Innen von Islam, Judentum und Christentum am 16. September 2019 im Rahmen der Interkulturellen Wochen Groß-Gerau mit dem Publikum darüber aus, wie Dialog interreligiös gelingen kann.

        Zur Begriffsbestimmung erklärte Petra Kunik von der jüdischen Gemeinde Frankfurt, Dialog bedeute „Gegenüber, Kennenlernen und Wortfluss“. Alles wirkliche Leben sei Begegnung, so Petra Kunik. Und sie zitierte den philosophischen Ansatz von Martin Buber. Er hat das dialogische Prinzip begründet, dass der Mensch erst durch das „du“ zum „ich“ werde,  der Mensch seine Identität vornehmlich in Relation zu dem ihn Umgebenden bilde. Erst die  Begegnung mit einem menschlichen Gegenüber, dem „Du“ ermögliche nach Buber eine Abgrenzung des „Ich“ von seiner Umwelt.

        Missionierung statt Dialog: Beispiel Martin Luther
        Im Laufe des Abends wurde klar, dass in allen drei Religionen heute Dialog Austausch und Respekt beinhaltet. Wolfgang Prawitz, Ökumene-Pfarrer im Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim, der zu diesem Abend in das Ev. Gemeindehaus in Groß-Gerau eingeladen hatte, nannte ein Beispiel, bei dem deutlich wurde, dass interreligiöser Dialog zum Zwecke der Missionierung  stattfand.  Dabei erinnerte er an Martin Luther, der alles andere als Dialogbereitschaft gegenüber den Juden an den Tag gelegt hatte. Missionieren wollte er sie und meinte, wenn man ihnen – besser als die Katholiken – das Christentum nur richtig beibringe, könne man sie schon bekehren. Als seine Forderungen zur Bekehrung der Juden zum Christentum sich nicht erfüllten, schlugen sein Ton und seine Schriften in Judenhass um.

        Paulus ermuntert die Korinther zum Dialog
        Anders das Beispiel des 1. Briefes von Paulus an die frühe christliche Gemeinde in Korinth, 54-56 n. Christus. Dies sei gar keine einheitliche Gemeinde gewesen, so Prawitz. Und trotzdem hätte die Gemeinde  aus West- und Nordeuropa, dem Nahen Osten und Afrika, Händler, Soldaten und Sklaven inmitten der römisch gewalttätigen Gesellschaft versucht, gewaltfrei und dialogisch zusammenzuleben. Doch es kam zu Streit und Paulus ermunterte die Gemeinde in seinem ersten Brief zu Liebe und zu Wertschätzung statt Rechthaberei und Hass.

        Islam steht für Frieden
        Senay Altintas, die in der Darmstädter „Emir Sultan Moschee“  seit 2001 die Öffentlichkeitsarbeit leitet, betonte, dass ihre Motivation zum Dialog darin läge, als Minderheit in einer christlich geprägten Gesellschaft  das „Konzept des Islam“ als Friedensbotschaft bekannt zu machen. Dabei gehe es in erster Linie darum, mit sich selbst im Frieden zu sein. Aus dieser Kraft erwachse die gemeinsame Verantwortung für die Welt. Für Dialog gelte das Vorbild des Schöpfers, der Dialog gepflegt hätte mit Propheten und Engeln. Dialog entstehe aus der Fragestellung: Wer bin ich, was glaube ich und warum? -   und beinhalte weder Zwang noch Überzeugungswille. Die Rolle der Religionen sei es, so Senay Altintas, uns einen guten, menschenwürdigen Weg vorzuschlagen.

        Prinzipien für den interreligiösen Dialog
        In einer lebendigen Diskussion, zu der auch der Imam Basit Tariq der Ahmadiyya Gemeinde in Groß-Gerau beitrug, wurden zehn Prinzipien – Leitsätze – für den interreligiösen Dialog diskutiert, die der Runde Tisch der Religionen in Frankfurt formuliert hatte.

        1.      Wir nehmen die Haltung eines/-r  Lernenden ein.
        2.      Wir hören einander zu und lassen einander ausreden.
        3.      Wir vermeiden Verallgemeinerungen.
        4.      Wir vergleichen zur Vergleichbares miteinander.
        5.      Wir sprechen der anderen Person nicht den Glauben ab.
        6.      Wir suchen nach Gemeinsamkeiten und achten die Unterschiede.
        7.      Wir versuchen den/die jeweils andere/n so zu verstehen, wie er/sie sich selbst versteht.
        8.      Wir nehmen den/die andere/n mit dem, was er/sie sagt, ernst.
        9.      Wir vermeiden „ja, aber“-Sätze.
        10.    Wir vertreten unseren Standpunkt überzeugend, aber nicht überheblich.

        Vor allem wurde an diesem Abend einander zugehört, diskutiert, voneinander gelernt und  Dialog als echte Bereicherung erfahren.

         

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

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