Dekanat Rüsselsheim

Angebote und Themen

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        Podium in Riedstadt mit Europaabgeordneten und Pfarrer Wolfgang Prawitz

        Europa für Klimaschutz und Soziale Gerechtigkeit

        Heidi Förster

        Am 26. Mai 2019 wird das Europäische Parlament vertreten durch 751 Abgeordnete aus 28 Mitgliedstaaten gewählt. Alle fünf Jahre wird das Europäische Parlament als einziges Organ der Europäischen Union direkt gewählt. Im Riedstädter Rathaus in Goddelau brachte Journalist Christian Preiser Europaabgeordnete, Politiker*Innen und Pfarrer Wolfgang Prawitz vom Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim ins Gespräch.

         Haben die Bürger*innen etwas von einer Vertreterin oder einem Vertreter in Brüssel? Und warum hat das Europäische Parlament so einen schlechten Ruf? Hierüber und über Ziele in Europa sprachen (Foto von rechts nach links) Michael Gahler (CDU), Gerald Kummer (SPD), Pfarrer Wolfgang Prawitz vom Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim und Nina Eisenhardt (Die Grünen).

        Seit Wochen werben die Parteien auf den Straßen und in allen Medien für ihre politischen Positionen und dafür, dass die Menschen am 26. Mai 2019 zur Europawahl gehen. Neuer Nationalismus, Abschottung und Brexit, die EU steht unter Druck. Und Michael Gahler (CDU) auch. Am Ende des Wahlkampfes steht er auch in Riedstadt-Goddelau Rede und Antwort. Der 59-jährige Jurist ist seit 1981 Mitglied der CDU und seit 1999 Mitglied im Europäischen Parlament. Dort managt er Auswärtige Angelegenheiten und vieles mehr. "Wir sind nur sieben Prozent der Weltbevölkerung, ein kleiner, stabiler, demokratischer Teil des Globus", sagt er mit Blick auf die anderen "global Player". "China fordert wirtschaftlich heraus und ist im Innern eine Diktatur", zeichnet er die Gefahren für den Weltfrieden auf. Und Gahler erklärt aus 20-jähriger Europa-Erfahrung die Schwierigkeiten, alle Mitgliedstaaten zu Einigungen zu bringen. Politiker in Straßburg und in Brüssel zu sein bedeute: "Wir sind die freisten Abgeordneten ohne Weisungen". Positiv bezieht er Stellung   zum Lobbyismus in Brüssel: "Wir sind darauf angewiesen, dass Menschen dort ihre Meinung vertreten."

        Nina Eisenhardt (die Grünen) kennt Grenzen nur, wenn sie Europa verlässt

        Die 28-Jährige Politikwissenschaftlerin Nina Eisenhardt hat Friedens- und Konfliktforschung studiert. Sie engagiert sich bei den Grünen seit Jahren für nukleare Abrüstung, soziale und Bildungs-Gerechtigkeit und gegen die fatale Klimapolitik der großen Koalition. Ihre Position kann man auch im Internet nachlesen. „Wir müssen dem Rechtsruck in Europa Einhalt gebieten, und dafür kämpfen, dass Europa seine humanistischen Werte nicht über Bord wirft."
        Auf die Frage, wie aus ihrer Erfahrung die jüngere Generation zu Europa stehe, antwortet sie: "Wir machen Erasmus u.s.w., für uns ist die Reisefreiheit eine Selbstverständlichkeit. Ich bin 90 geboren, da gab es keine innerdeutsche Grenze mehr in meinem politischen Erleben. Das heißt Grenze kenne ich eigentlich nur, wenn ich Europa verlasse. Und ich glaube, das prägt schon in der Wahrnehmung meiner Generation. Man könnte auch sagen, die Wertschätzung fehlt, aber das ist nicht das, was ich in Schulklassen und in Gesprächen mit jungen Menschen erfahre. Ich glaube, der große Unterschied zur Einstellung zu Europa verläuft nicht zwischen den Altersgrenzen, sondern der verläuft dann doch zwischen den politischen Orientierungen. Und damit meine ich nicht die parteipolitischen Orientierungen." 

        Pfarrer Wolfgang Prawitz plädiert für ein Europa, wo Vielfalt als Bereicherung verstanden wird

        Pfarrer Wolfgang Prawitz, im Podium als Vertreter der Ev. Kirche im Landkreis Groß-Gerau, hat in Mainz evangelische Theologie studiert, war Pfarrer in verschiedenen Kirchengemeinden und ist seit 2003 Pfarrer für Ökumene im Dekanat. Er arbeitet u.a. in Flüchtlingsprojekten mit und fördert den interreligiösen Dialog. Der Theologe wünscht sich Europa als Friedensprojekt, ein soziales Europa und Gemeinsamkeit in Vielfalt: "Was ich wichtig finde ist, dass wir in Europa im sogenannten christlichen Abendland leben. Und damit meine ich jetzt nicht die Übernahme dieses Begriffs durch AfD und Konsorten. Wir haben eine Tradition, in der es um Freiheit geht, in der es um Individualismus geht, in der Menschen sich frei entfalten können. Und in dieser Richtung Europa weiterzuentwickeln ist das, worum es gerade geht. Es geht nicht darum, alles gleich zu machen, sondern Europa so zu entwickeln, dass Menschen mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen, mit unterschiedlichen Weltauffassungen friedlich und freundlich zusammen leben und ihre Vielfalt als Bereicherung verstehen." 

        Gerald Kummer plädiert für Klimaschutz früher als 2050 

        Für Gerald Kummer (SPD) ist das Rathaus in Goddelau fast ein Heimspiel, denn hier war er bis 2010 17 Jahre lang Bürgermeister. Seit 2001 entscheidet er im Groß-Gerauer Kreistag mit. Abgeordneter im Hessischen Landtag ist der gebürtige Darmstädter seit 2014 und dort auch in der Funktion als Mitglied der "Europa-Union Hessen". Seine Aufgabe, so Kummer, sei es, "die auf EU-Ebene auf den Weg gebrachten Gesetze zu überprüfen". Der 60-jährige betont, wie wichtig der direkte Kontakt zu Entscheidungsträger*innen in Europa sei, begrüßt hierzulande die Initiative "Fridays for Future" und wünscht sich Klimaschutz nicht erst bis 2050. Der 2015 in Paris ausgehandelte "Klimaschutzplan 2050" ist ein umfassender Masterplan, mit dem die deutsche Wirtschaft nahezu klimaneutral gestaltet werden soll. Ziel ist, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und EU-weit die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken. Gerald Kummer meint, für die Autoindustrie wie in Rüsselsheim gäbe es keine Probleme, wenn zum Beispiel mit Wasserstoff emissionsfrei  "Brennstoffzellen-Autos" gebaut werden würden. 

        Kurzweilig, informativ und sehr gut vorbereitet erlebten die Riedstädter im Rahmen ihres "Festwochenendes  Städtepartnerschaften" am Samstag, den 25. Mai 2019 eine bereichernde Diskussionsrunde. 
        Mögen viele am 26.Mai 2019 wählen gehen: gegen Nationalismus, für Demokratie, und für das, was auf den von "gemeinsam stark im Kreis Groß-Gerau" gedruckten Karten steht, "Kostenloses Roaming auf Mallorca", "Auslandspraktikum in Frankreich" oder "Kulturelle Vielfalt und Zusammenhalt".

         

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

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