Dekanat Rüsselsheim

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Entdecken Sie, welche Angebote des Dekanates Rüsselsheim - Groß Gerau zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

        AngeboteÜbersicht
        Menümobile menu

        Vorstellungsgottesdienst von Pfarrer Peter Dennebaum in Groß-Gerau

        Ja, ich will!

        Heidi Förster

        "Gott erfahrbar machen geht nur in Gemeinschaft", so das Credo von Pfarrer Peter Dennebaum. Der Gemeinde Groß-Gerau/Süd und Berkach hat er sich am 26. Juli 2020 in der Groß-Gerauer Stadtkirche in einem lebendigen, musikalischen und beeindruckend "interaktiven" Gottesdienst vorgestellt. Dafür erhielt er mehrfach Applaus. Auch eher ungewöhnlich in einer Kirche.

        Peter Dennebaum möchte "Predigtschlaf" verhindern. Dazu gehöre, so der 52-Jährige im Vorstellungsgottesdienst am 26. Juli 2020 in der - mit Corona-Abstand - gut besuchten Groß-Gerauer Stadtkirche, "dass Sie von mir immer den Predigttext ausgeteilt bekommen."
        Gemeinsam wurde aus dem 6. Kapitel von Johannes gelesen, in dem der Evangelist Jesus beschreibt als Brot des Lebens für die Menschen, der sich zurückzieht, um nicht "als deren König" vereinnahmt zu werden. Anschließend munterte Dennebaum die Anwesenden auf, zu partizipieren, nach dem gemeinsamen Lesen ins Gespräch zu kommen. 

        Ein Pfarrer, der zuhört und auf Augenhöhe predigt
        Peter Dennebaum, geboren 1967 in Mainz mit drei Brüdern, heute Ärzte oder Pfarrer,  hat in den 80er Jahren, einer politischen Zeit, Theologie studiert. "Machtfragen" seien gestellt worden, "die Bibel wurde politisch ausgelegt", so Dennebaum. Beeindruckt ist der engagierte Theologe, der unter anderem 2013 - nach sechs Jahren in New York und Washington DC - nach Deutschland in eine Gemeinde in Gießen kam, vor allem von der so genannten "Theologie der Befreiung". Dessen Begründer ist der in Brasilien lebende ehemalige Priester Leonardo Boff, der sich bis heute, 82, in zahlreichen Publikationen und Gastprofessuren für "Lebensschutz für Ausgeschlossene" und gegen Armut einsetzt.

        Gott erfahrbar machen gehe nur in Gemeinschaft
        „Ich bin Single, homosexuell und genieße das Leben“, bekennt Dennebaum, der das Herz auf der Zunge trägt, einst zum evangelischen Glauben konvertiert ist und das Priestertum aller Gläubigen betont. Das kennen wir seit 500 Jahren, als Reformator Luther die Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte. Dennebaum: "Ich habe auch schon Gottesdienste erlebt, da habe ich meine Predigt einfach weggelassen, weil die Gemeinde in dem Predigtgespräch gepredigt hat. Für mich gehört das Wort Gottes in den Mund des Volkes Gottes. Und das sind wir alle."  
        Nach einigen Aussagen aus dem Publikum, auch von der Biebesheimer Pfarrerin Michelle Siebers, hielt Dennebaum seine Predigt, aber nicht von der Kanzel, sondern von da, wo er vorher auch schon stand, auf Augenhöhe mit der Gemeinde. Die Augenhöhe sei ihm wichtig, "die Gemeinschaftsorientierung" wie auch sein Eindruck, dass die Gemeinde Groß-Gerau/Süd und Berkach - mit Blick auf viele Veranstaltungen von Pfarrer Jürgen Fuge zu Flüchtlingspolitik und Kirchenasyl - "politisch wach" sei.
        Im Dezember 2019 war er von Kirchenvorsteher Walter Zorn angesprochen worden, ob er sich die Nachfolge des in den Ruhestand wechselnden Pfarrer-Ehepaares Petra und Jürgen Fuge ab Oktober 2020 vorstellen könne. Das habe ihn gefreut, wie auch die Gespräche mit der Kirchenvorsteherin Katrin Volkmann. 

        Ein Pfarrer für Junge und Alte
        "Bitte vergessen Sie uns im Alten- und Pflegeheim Auf Esch nicht", kam eine Frage im Anschluss an den Gottesdienst. "Trost ist für unsere alten Menschen sehr angebracht", so die Frage an den Pfarrer. Auch hier kam dessen Antwort ungekünstelt. Die Gottesdienste im Altenheim, im Halbkreis, seien ihm sehr wichtig und hätten ihn sehr berührt. Auch auf einen nächsten geäußerten Wunsch, die Jugendarbeit der Gemeinde zu beleben, konnte Peter Dennebaum spontan die anwesenden Konfirmand*innen, die er zuvor im Gottesdienst bei einer Bibelstelle auch schon direkt angesprochen hatte, zuzwinkernd auffordern, ihm dabei bitte zu helfen.

        Einzigartige Musik in diesem Gottesdienst 
        Begleitet wurde Peter Dennebaum, der die Lieder wegen Corona  ja leider nicht mit der Gemeinde gemeinsam aber dafür beeindruckend schön allein gesungen hat, von Lyubov Kamuff am Flügel. Die gebürtige Ukrainerin ist Chorleiterin, Organistin und Pianistin. Besonders beeindruckend war am Ende des Gottesdienstes das unter die Haut gehende Zusammenspiel aus Klavierimprovisationen und gesungenen Fürbitten. Diese hallten noch minutenlang nach und die Gottesdienst-Teilnehmenden hatten Gelegenheit, innezuhalten, nachzudenken, an jemanden zu denken, in sich zu spüren, zu beten und die gehörten Worte und Texte zu überdenken. 
        Davon zeigte sich Kirchenvorsteher Walter Zorn, der direkt nach dem Segen die Moderation zur Diskussion und Vorstellung des Pfarrers übernahm, sehr bewegt. "Sie sind herzlich Willkommen", sagte am Ende ein Gemeindemitglied. Antwort Dennebaum: "Ja, ich will". 

         

        Am 27. Juli 2020 haben die beiden pfarramtlich verbundenen Kirchengemeinden Groß-Gerau/Süd und Berkach unabhängig voneinander Pfarrer Peter Dennebaum für die Nachfolge des in den Ruhestand wechselnden Pfarrerehepaares Petra und Jürgen Fuge gewählt. Im Rahmen des Paragraphen 27 des Pfarrstellengesetzes besteht formal nach Veröffentlichung der Wahl noch eine 14 Tage-Frist, in der Gemeindemitglieder Einspruch erheben können.
        Der Dienstantritt ist für den ersten Oktober 2020 geplant. 

         

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

        Diese Seite:Download PDFDrucken

        to top