Dekanat Rüsselsheim

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        Talk "Kreuz und queer"

        Passt christlich sein und queer sein zusammen?

        Heidi Förster

        Dazu stellte sich Dr. Kerstin Söderblom, Pfarrerin und queer theologische Autorin den Fragen der Politikwisssenschaftlerin, Journalistin und Feministin Dr. Antje Schrupp am 14. September 2022 in der Rüsselsheimer Stadtkirche im Rahmen der Veranstaltungsreihe „offen geht“ – „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“.

        Dr. Kerstin Söderblom gehört zu einer der ersten deutschsprachigen Theologinnen, die zu „Queer-Theologie“ forschten. Sie ist evangelische Pfarrerin und seit den 1980er Jahren in der LGBT* Community aktiv und setzt sich für Respekt und rechtliche Gleichstellung für LGBT* ein, engagiert sich gegen Homo- und Transfeindlichkeit und zeigt deutlich ihre Stellung zu Antisemitismus, Rassismus und Islamfeindlichkeit. Begeistert erzählte sie von ihren Erfahrungen vom Treffen des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe mit 4000 Teilnehmenden aus 350 Mitgliedskirchen. „Innerhalb des ÖRK waren wir 30 queere aus der ganzen Welt und haben versucht, sichtbar zu sein mit Ständen, Workshops und Podiumsdiskussionen. Einige Teilnehmer haben sich bei uns geoutet, Vernetzung und Seelsorgespräche gesucht.“ Für Kerstin Söderblom war diese gemeinsame Zeit „miteinander beten, lachen, Programm gestalten, Gottesdienste feiern“, wie sie strahlte, „Empowerment pur“.
        Kerstin Söderblom engagiert sich auch als Pfarrerin der Studierendengemeinde der UNI Mainz dafür, Kirche als sicheren Ort zu gestalten, an dem alle willkommen sind, egal ob lesbisch, schwul, bi, trans oder anders queer. Dr. Antje Schrupp betonte, dass Christentum eine wichtige Funktion habe, Position zu beziehen und die Gesellschaft im gesellschaftlichen Umbruch zu begleiten. „Wir brauchen keine Barmherzigkeit oder Seelsorge, sondern Unterstützung für freie sexuelle Lebensentfaltung.“
        Auf die Frage, wie es im Christentum dazu kommen konnte, Homosexualität als Sünde zu verstehen, betont Söderblom, dass sich einige auf wenige wörtliche Bibelstellen im Alten Testament „Ein Mann soll nicht bei einem Manne liegen…“ bezögen. Sie begründeten darauf ihre abwehrende und verurteilende Haltung gegenüber Lesben und Schwulen. Söderblom erklärte, dass biblische Texte nicht nur eine Übersetzung aus dem Urtext, sondern auch eine Übertragung von der Zeit der Verfassung der Texte in die heutige Zeit bräuchten. Bei allen kontroversen Diskussionen seien sich die meisten Wissenschaftler und Forscherinnen darüber einig, dass die biblischen Texte zur Homosexualität nichts zum Thema von schwulen und lesbischen Lebensformen aussagen, wie sie heute bekannt sind. 
        Klar wurde bei der Diskussion auch, dass innerhalb rechtspopulistischer Tendenzen Diskriminierungen von queeren Menschen zunähmen. „Wir müssen klarere Stimmen haben und dürfen uns nicht instrumentalisieren lassen“, fordert Söderblom und setzt sich für gesellschaftliche Kooperationen ein. „Queer sein ist kein westliches Phänomen“ betonte Söderblom und wies auf eine Broschüre mit 28 Biographien queerer Menschen auf fünf Kontinenten hin. Diese wurde in der Arbeitsgruppe „Rainbow Pilgrims of Faith“, einem Kollektiv von LGBT* und christlichen Netzwerken, Kirchen, Verbündeten und Aktivisten, erarbeitet.
        Söderblom hofft auch, dass die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und andere Landeskirchen klar Position bezögen, im Sinne eines Schulbekenntnisses.
        Musikalisch wurde der Abend von den beiden Gitarristen Tilmann Höhn und Ali Neander begleitet.

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

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