Dekanat Rüsselsheim

Angebote und Themen

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        Abriss des Ev. Gemeindehauses am Böllenseeplatz

        Baugeräteführer Felix Büttner mit Sortiergreifer am Werk

        Heidi Förster

        „Es geht voran und wir entwickeln etwas Neues. Es ist wichtig, dass die Kirchengemeinde Verantwortung übernimmt für ein Projekt, das ein Zusammenleben im Stadtteil fördert und alle Generationen und Kulturen miteinander ins Gespräch und in die Begegnung bringt.“ Pfarrer Andreas Jung von der Ev. Martinsgemeinde hat die Zukunft im Blick. In der "Siedlung" wird jetzt ein Ort für Begegnungen gebaut.

        Bildergalerie

        Heidi Förster

        Felix Büttner hatte in seinem Baugerätehaus alles im Blick; Eine Woche hat er geebnet und gebaggert, bis der Platz hinter dem  flachen 50er Jahre-Bau, dem Ev.  Gemeindehaus der Ev. Matthäusgemeinde am Böllenseeplatz in Rüsselsheim platt war. Dann kam der mächtige Sortiergreifer zum Einsatz. Erst hat der 20-Jährige damit das Dach und danach die Wände „zusammengelegt“. Plastik, Metall und Holz mussten gesammelt und sortiert werden, bis am Ende auch die Kellerdecke freigelegt und abgenommen wurde.  Später wird sie wieder verfüllt.

        Kindergarten (1954) - Gemeindehaus (1978) - Nachbarschafts- und Familienzentrum (ab 2019)

        Im Jahre 1954 war das Gebäude als Kindergarten gebaut worden. Damals lebten mehr als 23.000 'Evangelische' in Rüsselsheim; das waren 59 Prozent der Einwohner. Feierlich wurden Kirche und Kindertagesstätte für mehr als 100 Kinder von Kirchenpräsident Martin Niemöller eingeweiht. Auch vom Deutschen Roten Kreuz, dem Suchdienst nach im Krieg Vermissten, wurde ein Grußwort gesprochen. Im Gebäude lebten auch eine Gemeindeschwester, eine Erzieherin und das Küsterehepaar. 
        Damals, 1954, war der Baugeräteführer Felix Büttner aus Meiningen-Walldorf hinter Fulda noch gar nicht auf der Welt und die Mauer zwischen Ost und West war auch noch nicht gebaut. Zwischen Rhön und Thüringen hatten seine Eltern wenig später fast 30 Jahren den Todesstreifen und die Grenzmauer zur DDR vor Augen. Felix kennt die Mauer, die Teilung Deutschlands, nur von Bildern und aus Erzählungen. 1998 geboren und mit Landmaschinen aufgewachsen, hat er die Ausbildung zum Baugeräteführer als Jahrgangsbester mit Auszeichnung der IHK Hessen absolviert. Und dabei hat er vieles gelernt: Mauern, Metallverarbeitung, Bauschalung, Pflastern und Maschinentechnik. Mit der Fuldaer Firma war er für den Abriss des Gemeindehauses zuständig. Felix Büttner findet spannend, was auf dem Böllenseeplatz geplant ist. Andreas Jung hat aus seinem Pfarrhaus alles im Blick und erklärt:

        Vom Kindergarten zum Familienzentrum

         „Auf dem halben Grundstück mit dem Nachbargrundstück der Gewobau entsteht ein Nachbarschafts- und Familienzentrum, ein Sechs-Millionen-Projekt, 100 Plätze Kindergarten in Trägerschaft der Ev. Martinsgemeinde und ein Nachbarschafts- und Familienzentrum in Gemeindeträgerschaft mit eigenen Räumen. Dann gibt es Räume für den Verein Auszeit eV., der am Böllensee schon lange Jahre Angebote für Kinder und Jugendliche anbietet; Und Gewobau baut auf dem Dach des Kindergartens Wohnraum für neun seniorengerechte Wohnungen, davon sieben für eine Person und  zwei Wohnungen für jeweils zwei Personen.“

        Hintergrund und Kosten

        Die Zahl der „Evangelischen“ in ganz Rüsselsheim wie auch in der „Siedlung“ ist gesunken und so auch der Raumbedarf für die Kirchengemeinden. An der Zahl ihrer Mitglieder werden von der Landeskirche Zuweisungen und Pfarrstellen bemessen. Ein Prozess, der Kürzungen wie auch den Abriss dieses Gemeindehauses zur Folge hat. Vom Ev. Kirchengemeindeverband Rüsselsheim werden die  Raumkürzungen in Rüsselsheim umgesetzt. Der „Aufwärtstrend“ und Höchststand von gezählten 63.000 Rüsselsheimer Einwohnern 1978 wurde danach nie wieder erreicht. Im Jahr 1961 nachach dem raschen Wiederaufbau der Stadt, dem Opel-Werk und der Eingliederung vieler Heimatvertriebener aus dem Osten (14 Prozent Bevölkerungsanteil 1955) lebten 23.219 evangelische  (58,77 Prozent) und 13.390 katholische (33,89 Prozent) Christen in der Stadt. Heute zählt die Ev. Martinsgemeinde 1536 evangelische Gemeindemitglieder. In ganz Rüsselsheim ist die Zahl der "Evangelischen", Königstädten mitgerechnet, auf 12.778 Mitglieder gesunken.

        Eine „Siedlung“ für Generationen und Kulturen 

        Andreas Jung, Pfarrer der unter dem Namen Martinsgemeinde fusionierten ehemaligen Matthäus- und Stadtkirchengemeinde, freut sich, dass die Pläne für ein Nachbarschafts- und Familenzentrum nun endlich wahr werden. Das Bundesministerium fördert das Projekt mit  1,17 Millionen Euro und die Ev. Kirche übernimmt Verantwortung, so Jung  „für ein Projekt, das ein Zusammenleben im Stadtteil fördert und alle Generationen und Kulturen miteinander ins Gespräch und in die Begegnung bringt.“

        Das Gebäude, in dessen Mauern es viel Leben, Kindergeschrei, Begegnungen, Freuden- sowie Trauertränen gab, ist nun abgerissen. - Aber kein Grund zur Wehklage. Ein neues Gebäude - ein Ort für Begegnungen wird hier gebaut. Und vielleicht kommt Felix Büttner später noch mal mit seinen Kindern und Enkelkindern  vorbei.  Und die können dann stolz sein auf das Fundament, das ihr Opa und Vater Felix einmal neu verfüllt hat für etwas, das hoffentlich bleibt und Generationen zusammenhält. 

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

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