Dekanat Rüsselsheim

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        Gottvertrauen, Humor und Zurückhaltung

        Verabschiedung von Pfarrer Wilfried Ritz in den Ruhestand

        Heidi Förster

        „Sie haben mit uns als Teamplayer gemeinsam entschieden, wo die Fahrt hingeht“, sagte die langjährige Kirchenvorsteherin Karin Langendorf am Sonntag, den 15. November 2020 bei der feierlichen Verabschiedung von Pfarrer Wilfried Ritz in der Ev. Kirche Ginsheim. Pfarrer Wilfried Ritz ist seit August 1991 - fast 30 Jahre lang - Pfarrer der Gemeinde und wurde von Pröpstin Karin Held mit Wirkung zum 1. Januar 2021 aus dem Pfarrdienst entpflichtet. Der Gottesdienst wurde von Dekanin Birgit Schlegel mit gestaltet.

        Pröpstin Karin Held ließ in ihrer Rede die Stationen seines Lebens Revue passieren. Für dessen Lebensstation zwischen Berufsleben und Ruhestand zitierte sie treffend den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard: „Über jedes Menschen Wanderung durch das Leben wacht eine Vorsehung, welche jedem zwei Wegführer mitgibt. Der eine ruft voran, der andere ruft zurück. Doch sie sind nicht im Widerstand miteinander, die beiden Wegführer, sie lassen auch den Wanderer nicht in Unschlüssigkeit stehen, verwirrt durch den zweifachen Ruf. Vielmehr sind die beiden in ewigem Einverständnis miteinander, denn der eine ruft voran, der andere ruft zurück. Es sind ja auch keine blinden Wegführer, deshalb sind sie ja eben zwei, denn um die Wanderung zu sichern, muss man beides, voran und zurückblicken. Die beiden Wegführer rufen einen Menschen früh und spät und wenn er auf ihren Ruf achtet, so findet er den Weg. So kann er wissen, wo er ist auf dem Wege, weil diese beiden Rufe den Ort bestimmen und den Weg bezeichnen.“

        Das Gleichnis vom unehrlichen Verwalter rüttelt wach und macht Mut

        Auch bei Pfarrer Wilfried Ritz klangen in dessen Predigt Überlegungen zum „Vor und Zurück“ an. Dabei zitierte er das provozierende Gleichnis vom unehrlichen Verwalter (Lukas 16, 1 bis 8). Weil dieser Geld verschleudert hatte, sollte er vor seiner Amtsenthebung Jesus gegenüber Rechenschaft ablegen. Um später nicht betteln zu müssen, erließ er seinen Schuldnern jeweils eine große Menge Öl und Weizen, um später bei ihnen aufgenommen werden zu können. „Auch in meinem Leben war mir die Verwaltung der Gemeinde mit anvertraut. Ich war wohl eher treu, deshalb werde ich jetzt auch nicht – so wie der Verwalter im Gleichnis – unehrenhaft entlassen“, so Ritz. Er skizzierte das Handeln des  Verwalters als „klug, entschlossen, weitsichtig und kreativ“. Übertragen auf das Gemeindeleben in den schwierigen Corona-Zeiten sagte er: „Jesus will uns eben nicht in die Angst treiben, er will uns wach rütteln.“ Wenn die Angst hochkrieche, wirke die Ermutigung Jesu auch heute, auf das Gemeindeleben übertragen, befreiend: „Lass dich nicht von dem was kommt erschüttern, bleib‘ entspannt, sei kreativ im Denken“.

        Verabschiedung von Pröpstin Karin Held - Lebensstationen von Pfarrer Wilfried Ritz 

        Wilfried Ritz wurde in Kaiserslautern geboren, verbrachte seine Schulzeit in Dieburg und wurde nach seinem Zivildienst im Darmstädter Alicehospital im ersten Beruf Gemeindepädagoge in Urberach und Eppertshausen. Danach studierte er Theologie in Marburg und absolvierte sein Vikariat im Theologischen Seminar in Friedberg und in Darmstadt-Eberstadt. Auch in der Darmstädter Andreasgemeinde war Ritz nach dem Studium tätig und verwaltete anschließend die Pfarrstelle der Ev. Christuskirchengemeinde in Sprendlingen/Dreieich. Ordiniert wurde Pfarrer Wilfried Ritz am 2. August 1987 vom damaligen Propst Reinhard Walter. Seit 1. August 1991 ist Wilfried Ritz Pfarrer in Ginsheim. In all den Jahren hat auch seine Ehefrau Sonja Ritz - von der Tafel bis zum Weltgebetsgottesdienst - ehrenamtlich im Gemeindeleben mitgewirkt. Dafür bekam sie nicht nur von ihrem Ehemann sondern auch von Pröpstin Karin Held Anerkennung, Dank und einen großen Blumenstrauß überreicht. 
        Pröpstin Karin Held beschrieb Pfarrer Wilfried Ritz in ihrer Verabschiedung mit den lobenden Worten des Kirchenvorstandes, wobei sie "dessen ruhige, ausgleichende Art, vor allem in Konfliktsituationen sowie seine kollegiale Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg" hervorhob.

        Leben ist immer Veränderung

        Für Veränderungen machte Pfarrer Ritz in seiner Predigt abschließend allen Mut: „Etwas hört auf, etwas neues beginnt.“ Dafür richtete er den Blick auf kreatives, neues wie: „Die digitale Vernetzung wagen, Arbeit verteilen, mit wachen Augen, Ohren, Herzen und Sinnen Menschen einbeziehen, die die Bereitschaft zeigen, mitzuarbeiten – sogar wenn es Fremde sind oder Nichtmitglieder.“
        Die langjährige Kirchenvorsteherin Karin Langendorf sagte in ihrem Rückblick: „Mit eigener Mischung aus Gottvertrauen, Humor und Zurückhaltung haben wir zusammen auf dem Schiff, das sich Gemeinde nennt, den richtigen Kurs gesucht. Und dabei haben Sie mit uns gemeinsam als Teamplayer entschieden, wo die Fahrt hingeht“.
        An diesem Sonntag im November-Lockdown inmitten der weltweiten Corona-Pandemie wären viele Gemeindemitglieder, Familienangehörige, Freunde und Kolleg*innen gern dabei gewesen. Aber in der Ev. Kirche, die so schön am Rhein gelegen ist, konnten mit Masken und nötigen Sicherheitsabständen nur wenige Bänke mit den eingeladenen Gästen besetzt werden. Der feierliche Gottesdienst wurde von vier Chorsänger*innen und Chorleiter Armin Rauch sowie von einigen Bläser*innen mit großem Abstand zu den Kirchenbänken wunderschön musikalisch begleitet.

        Ein Schild aus heimischem Schiefer hat Wilfried Ritz vom Kirchenvorstand mit auf seinen Weg bekommen. Das Schild wird das neue Zuhause der Eheleute Ritz schmücken in guter Erinnerung an die gute gemeinsame Zeit.

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

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