Dekanat Rüsselsheim

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        KiTas des Ev. Dekanats in Gemeindeübergreifende Trägerschaft, GüT

        Qualität in Ev. Kindergärten erhalten - Kirchengemeinden entlasten

        Heidi Förster

        Für die Sicherung der Qualität der Evangelischen Kindertagesstätten im Kreis Groß-Gerau übernimmt das Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim Verantwortung. Eine „Gemeindeübergreifende Trägerschaft“, genannt GüT, mit professioneller Geschäftsführung kann bis 2021 umgesetzt werden, wenn die Kirchengemeinden mitmachen. Ehrenamtlicher Hauptakteuer für die GüT ist Walter Zorn. Er ist Kirchenvorstands-Vorsitzender in Groß-Gerau-Berkach und Mitglied des Dekanatssynodalvorstandes (DSV). Engagiert hat er mit einer Steuerungsgruppe aus Pfarrer*Innen, Kirchengemeindevorsteher*innen, Mitarbeitervertreter*innen und Kita-Leitungen Konzept, Plan und Nutzen der GüT am 20. August 2019 im Ev. Gemeindehaus in Leeheim präsentiert. GüT verspricht Entlastung der ehrenamtlichen Kirchenvorsteher*innen von der Verwaltung ihrer KITAs, übernimmt Personal- und Dienstaufsicht und bietet Fortbildung und Fachkräftewerbung.

        Heidi Förster

        "Wir brauchen mindestens sechs  KiTas mit 18 Gruppen , um eine Gemeindeübergreifende Trägerschaft (GüT) 2021 zu realisieren", erklärte Walter Zorn gemeinsam mit Vera Bickel - Projektkoordinatorin der EKHN für GüT – den anwesenden evangelischen Kirchenvorsteher*innen und KiTaleiterinnen aus dem gesamten Kreis Groß-Gerau mit Blick auf die Vorteile einer Dekanats-Trägerschaft für die Kindertagesstätten im Ev. Dekanat.  Gemeinsam mit der Steuerungsgruppe GüT, die 2018 von der Dekanatssynode und dem DSV beauftragt worden, präsentierte  Zorn Konzept,  Schritte zur Umsetzung bis 2021 und den  Nutzen von GüT.

        Walter Zorn spricht aus Erfahrung. Den Evangelischen Kindergarten in Groß-Gerau-Berkach, den er als Kirchenvorsteher betreut, gibt es schon lange. Die KITA "Regenbogen" - am Ortsrand mit Platz zum Spielen, Natur erkunden, mit kleinen Gruppen, regional selbst gekochtem Mittagessen und guter Vernetzung von Eltern unterschiedlicher Herkunft, Religion und Einkommen.

        Problem: Die KITA stand kurz vor dem AUS
        Doch die KITA, so Walter Zorn, habe einmal kurz vor dem Aus gestanden. Verwaltungsaufwand,  Fachkräftemangel und Renovierung seien kaum zu schaffen gewesen. Dabei laufe der Betrieb seit Jahren auf hohem Niveau. Das hat sich unter den Eltern rumgesprochen, Kinder wurden angemeldet, Eltern fanden und finden auf kurzen Wegen Rat und Hilfe bei Krankheiten oder Fragen zu den Entwicklungsschüben ihrer Kinder, tauschen Kinderkleider, Rezepte oder Erziehungstipps aus. Auch für die iranische Familie mit Sohn im Kirchenasyl gab es im Kindergarten unbürokratisch Hilfe. Integration lief von alleine! Vier Jahre ist das her. Das Ruder konnte mit viel Engagement umgelegt werden. Aber Walter Zorn, Mitglied im DSV, möchte aus dieser Erfahrung  Evangelische Kindergärten und Kindertagesstätten im Dekanat für die Zukunft rüsten. Er hat sich bei der EKHN Rat geholt und erfahren, dass es bereits in vielen Dekanaten der EKHN wie beispielsweise in Gießen, in Wiesbaden, in Darmstadt, im Odenwald und auch im Rodgau Gemeindeübergreifende Trägerschaften (GüTs) gibt;  Und das mit Erfolg, ohne Klagen oder Verluste. Vera Bickel: "Wir haben 2007 Mitarbeitende in die Gemeindebergreifende Trägerschaft, GüT, überführt. Wir können von GüT nur profitieren, wenn alle Mitarbeitenden zufrieden sind. Es muss Vertrauen entstehen. Man muss sich kennenlernen. Es soll auf Freiwilligkeit beruhen."   

        GüT entlastet  Kirchenvorstände von Verwaltungsarbeit - übernimmt Fach- und Dienstaufsicht
        Ein Konzept, dem jede*r Kirchenvorsteher*in hurrarufend zustimmen müsste? Nicht ganz.  In der Diskussion mit Ehrenamtlichen und Kindergartenleiterinnen wurde an diesem Abend auch die Angst deutlich, die jeweilige Kirchengemeinde könne bei Abgabe ihrer KiTa-Trägerschaft gleichsam ihr "evangelisches Profil" verlieren. Und warum, so ein Einwand, solle man die Trägerschaft abgeben, wenn sich doch alles eingespielt habe:  die ehrenamtliche Verwaltung des Kindergartens im Kirchenvorstand gut laufe und die KiTa-Leitung beste Geschäftsführung gewährleiste? Zu dieser Frage gab Kita-Leiterin Christine Kirschner aus Walldorf Antwort: 

        Für die langjährige Kita-Leiterin Christine Kirschner bedeutet GüT – Sicherheit
        "Pfarrerinnen und Pfarrer können wechseln, der Kirchenvorstand wechselt alle sechs Jahre. Ich bin seit 21 Jahren Leiterin und habe einige Kirchenvorstände erlebt. Ich habe einen tollen Arbeitgeber, aber das kann enden. Wenn es eine Stelle gibt, die das ganze koordiniert, bedeutet dies viel mehr Unterstützung für mich. Dann habe ich die Sicherheit und ich finde es professioneller, wenn man so arbeiten kann. Die Leute im Kirchenvorstand sind Ehrenamtliche, die das freiwillig übernehmen, keine Fachausbildung haben, helfen wollen, es aber nicht können, weil sie nichts von der Materie wissen." Christine Kirschner spricht aus Erfahrung. Der Ev. Kindergarten, heute KITA, wurde 1930 dank der Ev. Frauenhilfe in Walldorf gegründet . Dort werden 70 Kinder, davon 24 ganztags, von acht Fachkräften in vier Gruppen altersgemischt betreut. 

        Pfarrer Karge liegt Erhalt von KiTaplätzen sozial benachteiligter Kinder am Herzen
        Michael Karge, Pfarrer in Gernsheim, übernahm mit dem Vorsitz im Kirchenvorstand 2018 die personalrechtliche Verantwortung für zwei KiTas (Einstellungen, Kündigungen) sowie Verantwortung für das Mahnwesen bzgl. der Elternbeiträge. Für diese höchst zeitaufwändige Arbeit war er durch seine erste Ausbildung und Laufbahn im kaufmännischen Bereich kompetent. Die Mehrheit der Pfarrerschaft sei dies jedoch nicht. Leider bleibe diese Arbeit deshalb oftmals einfach liegen und die Qualität der KiTas sowie die Haushalte der Gemeinden müssten leiden. Viel wichtiger noch: "In der Kirchentheorie ist klar, dass die religionspädagogische Arbeit mit den Kindern der KiTas im Zentrum stehen sollte, nicht jedoch die Verwaltung." Die hohe Qualität der KiTas und der Erhalt von KiTaplätzen sozial benachteiligter Kinder liegen Pfarrer Karge sehr am Herzen. Von daher: "Lassen wir die Profis ran und konzentrieren wir uns wieder auf unsere ureigenen Aufgaben Verkündigung, Seelsorge und Katechese" Dafür macht er sich gemeinsam mit vielen weiteren Pfarrerinnen und Pfarrern stark. Nur eine GüT mache es möglich. 

        Angst vor „Bürokratiemonster“
        "Was wenn der Vorplatz des Kindergartens beispielsweise saniert werden muss, kommt da mehr Verwaltungsaufwand mit längeren Wegen der Abstimmung auf die evangelischen Kindergärten zu?" "Haben wir es dann mit einem Bürokratiemonster zu tun?" So lauteten einige kritische Rückfragen beim Infoabend im Ev. Gemeindehaus in Leeheim. Vera Bickel erklärte, dass selbstverständlich weiterhin vor Ort Entscheidungen gefällt und mit der professionellen Geschäftsführung abgeklärt werden würden. Die Projektkoordinatorin für GüT der EKHN spricht aus Erfahrung, hat schon viele Trägerschaften in unterschiedlichen Dekanaten begleitet und beraten. Die Geschäftsführer*Innen - diese Stelle wird auch im Ev. Dekanat Groß-Gerau-Rüsselsheim dann professionell ausgeschrieben - seien im Austausch. Und man könne auch im größeren Verband effektiver Werbung für Fachkräfte leisten und Fortbildungen ermöglichen.

        Fachfremde ehrenamtliche Kirchenvorstände können Fehler machen 
        Pfarrer Jürgen Fuge von der Ev. Kirchengemeinde Groß-Gerau-Süd und Berkach kümmert sich seit Jahren um Qualität im Kindergarten seiner Gemeinde. Sein Fazit und Pro-Argument für die GüT: "Im Pfarramt läuft einiges zusammen, um erreichbar zu sein. Seit 1991 haben wir KITA-Verantwortung. Die Anforderungen sind nicht nur quantitativ sondern auch von der Qualität mehr geworden, dazu kommen kirchliche Vorgaben;  die Gefahr im Pfarramt und für den Kirchenvorstand besteht darin, sich nicht  in der nötigen Tiefe um alles kümmern zu können. So passieren Fehler. Eine Stelle, wo alles zusammenläuft, schafft Freiraum für das kirchliche und diakonische Profil und es schafft Freiraum, für die Aufgabe, die wir haben, eine Kindertagesstätte in der Einwanderungsgesellschaft zu führen."

        Dekanat will mit GüT evangelische Kindergärten fördern - und zukunftsfähig aufstellen

        Die GüT-Steuerungsgruppe um Walter Zorn hat die Zukunft im Blick, will evangelische Kindergärten und KiTas mit hoher Qualität zukunftsfähig aufstellen. Kirchengemeinden verlören, so Zorn, bei Abgabe ihrer Trägerschaft an das Ev. Dekanat weder Mitwirkungsrechte noch ihre jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkte. Kirchenvorsteher*innen, so Walter Zorn, würden auch im Vorstand des Trägerverbandes mitwirken. "Aber was die Kirchenvorsteher*innen nicht mehr selber machen müssen ist Verwaltung."

        Was kostet  GüT?
        Vera Bickel erläutert: "Auf sie als Kirchengemeinde kommen keine Kosten zu. Sie zahlen für die GüT garnichts. Für die Kommunen entstehen je nach Größe pro Gruppe zwischen 250 und 1000 Euro pro Jahr." 

        Was sind die nächsten Schritte?
        Um zum 1.1.2021 - so der Plan der vorbereitenden Steuerungsgruppe GüT - die Kirchengemeinden in die Trägerschaft des Ev. Dekanats mit professioneller Geschäftsführung zu überführen, sind die Kirchengemeinden jetzt aufgefordert - auf der Grundlage aller Informationen in schriftlicher Form - Stellung zu beziehen. Walter Zorn: "Wir brauchen von Ihnen eine „Absichtserklärung“, ein Votum, noch keine Entscheidung, damit wir bei der nächsten Tagung des regionalen Kirchenparlaments, der Dekanatssynode am 27. September 2019  wissen, dass wir ein Fundament haben, auf dem es sich lohnt, aufzubauen. Die Entscheidung für GüT wird in der Frühjahrssynode 2020 erforderlich sein."

        Dekanatssynodalvorstandsvorsitzender Holger Tampe und Dekanin Birgit Schlegel dankten Walter Zorn, Vera Bickel und der Steuerungsgruppe für die hervorragende Arbeit. "Mit der Trägerschaft für die evangelischen KiTas auf Dekanatsebene nehmen wir unsere Verantwortung als Kirche in der Region wahr,  dass Kinder Zeit und Raum, ein Miteinander gleich welcher Schicht, Herkunft oder Religion, christliche Werte des Zusammenlebens und Freiheit zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit erhalten." 

         

         

        Heidi Förster
        Öffentlichkeitsarbeit

         

         

         

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